Hochfranken-Feuilleton
 Jede Art zu schreiben ist erlaubt, nur nicht die langweilige.  (Voltaire)

Strom aus Stress

Sprachspielereien, Zungenbrecher und Assoziationen aus heiterstem Himmel: Das „Totale Bamberger Cabaret“, kurz TBC, wartet in Hof mit einer Reihe bedenkenswerter Vorschläge auf. Mit ihnen richtet es sich an König Markus I. Söder und die Energiewirtschaft, aber auch an die Eltern missratener Kinder.

Florian Hoffmann mit Georg Koeniger und Martin Hanns (von rechts): Biersommelière in Kittelschürze. (Fotos: thu)


Von Michael Thumser

Hof, 27. März 2025 – Um Politik sollte es irgendwie gehen im Kabarett, um Beobachtungen des Aktuellen, Brisanten, nicht zuletzt Befremdlichen an der Lage der Nation und überhaupt der Welt. Aber weil Politik meist mit Gerede und immer mit Sprechen einhergeht, geht es dem „Totalen Bamberger Cabaret“ oft genug um beides in einem Aufwasch. Nicht, dass sich Georg Koeniger, Florian Hoffmann und Martin Hanns, die sich als Truppe kurz TBC nennen, scharfsinnig mit haarkleinen Analysen nach Art der Fernseh-„Anstalt“ aufhielten. Aber sie schauen bei aller Alberei schon drauf aufs Tagesgeschäft in München und Berlin. Dem bayerischen Regierungschef, der sich seit einigen Monaten karnevalesk mit einem bizarren Bart maskiert – ihn aber ausgerechnet zum jüngst vergangenen Fasching glücklicherweise abnahm, nur um ihn sich jetzt wieder wachsen zu lassen –, ihm schlagen sie für die nächsten tollen Tage ein ihm zweifellos gemäßes Kostüm vor: Als Markus I. Söder trat in Königsrobe und gekrönt Koeniger (wer sonst) huldvoll vors Hofer Publikum, wobei er sich rappend outete als „Mimimini-Ministerpräsident, den man an seinem Mist erkennt“.

     Eine Plattitüde? Machen es sich die TBCler mit dergleichen schlicht zu einfach? Man könnte es so sehen, wenns nicht zugleich so lustig wäre. Das finden auch die etwa achtzig laut lachenden und viel klatschenden Besucherinnen und Besucher im Kleinen Saal der Hofer Freiheitshalle. Und gar so abgeschmackt ist die Nummer ja auch nicht, immerhin nehmen die drei Satiriker mit ihr den freistaatlichen Landesvater doppelt beim Wort: bei der Vollmundigkeit seiner Selbstgerechtigkeitsrhetorik; und bei seiner Lust an der Verkleiderei, die sie an diesem Abend, wie bei all ihren Auftritten, hingebungsvoll mit ihm teilen.

König Markus I. Söder, huldvoll: "Der Mimimini-Ministerpräsident, den man an seinem Mist erkennt."

    Dass man über Politik so oder so reden kann, exerzieren Koeniger und Hoffman durch, während sie als Sportreporter eine Bundestagsdebatte kommentieren, als wärs ein Fußballspiel: Da erregt Fritze Merz „Anstoß“, von der Regierungsbank kommt ein „Einwurf“, die AfD bringt durch eine „Blut-und-Boden-Grätsche“ einen „groben Ton ins Spiel“, und ein gewagter Schuss geht „Amthor vorbei“. Akustisch veranschaulicht Hanns währenddessen die Spielzüge an diversen Instrumenten, bevorzugt mit einer schwarzen Tuba (deren weißem Mundstück er auch schon mal einen triebhaften Kuss abringt). Überhaupt wird mit Geschick musiziert, desgleichen reichlich gesungen - und
nicht erst am Ende, das die Summe zieht. Dann nämlich weiten sich Augenblicks- und Alltagsfragen zur zeitlosen Lebensproblematik: „Woran soll man noch glauben, wenn man bei McDonalds vegane Burger kriegt?“; oder: „Wie gendere ich den Ausdruck ‚herrenloses Damenfahrrad‘?“ Da ist guter Rat teuer.

In der Höhle des Löwen

In anderer Hinsicht fällt er umso kostengünstiger aus: überraschend bezahlbar das Rezept zur Deckung des wachsenden Energiebedarfs. In einem Sketch nach Art der televisionären „Höhle der Löwen“ stellt das Trio eine Methode zur Debatte, durch die sich Strom recht und billig aus Stress gewinnen lässt: Im „Hetzkraftwerk“ speist der „Schnelle Wüter“ die „Aggrogate“ mit der Urkraft der kollektiven Dauererregung, des Volkszorns und der Nörgelei, mithin mit einer Ressource, die nie zur Neige geht. Was sich in die dahinsprudelnden Sprachspielereien, zügigen Zungenbrecher und Assoziationen aus heiterstem Himmel - etwa der Empfehlung, im Café „die Cookies zu akzeptieren“ - an kargeren Kalauern einschleicht, das kaschieren die Komiker locker durch temperamentvolle Schauspielerei und rundlaufenden Ensembleaktionismus.

     Woran Satireshows nicht selten kranken, wird auch in diesem Fall zur Last: Nach der Pause fällt der zweite Teil dünner als der erste aus. Leicht ließe sich das ändern, tauschten nur ein paar Nummern die Plätze. Zum Beispiel ließe sich eine der schönsten Szenen – eine unterfränkisch-mundartlich besonders bunt gefärbte – als furioser Schlusseffekt verwenden. Da spielen die Herren Vatermutterkind, Martin Hanns den polternden Papa mit der x-ten Bügelverschlussflasche in der geballten Faust, Florian Hoffmann die Mama, eine kleinbürgerliche Biersommelière in Kittelschürze. Von zwei Seiten stauchen sie ihren ungeratenen Sprössling Georg Koeniger zusammen, weil der von Alkohol partout nichts wissen will: „Du derfst ja dei Fanda drink, aber schütt halt was nei.“